Jenseits von Gut und Böse
Wie aktuell ist das denn?

Nietzsche vor über hundert Jahren:
„Im jetzigen Frankreich ist demnach, wie man es ebenso leicht erschließen als mit Händen greifen kann, der Wille am schlimmsten erkrankt; und Frankreich, welches immer eine meisterhafte Geschicklichkeit gehabt hat, auch die verhängnisvollen Wendungen seines Geistes ins Reizende und Verführerische umzukehren, zeigt heute recht eigentlich als Schule und Schaustellung aller Zauber der Skepsis sein Kultur-Übergewicht über Europa.
Die Kraft zu wollen, und zwar einen Willen lang zu wollen, ist etwas stärker schon in Deutschland, und im deutschen Norden wiederum etwas stärker als in der deutschen Mitte; erheblich stärker in England, Spanien und Korsika, dort an das Phlegma, hier an harte Schädel gebunden, - um nicht von Italien zu reden, welches zu jung ist, als dass es schon wüsste, was es wollte, und das erst beweisen muss, ob es wollen kann-, aber am allerstärksten und erstaunlichten in jenem ungeheuren Zwischenreich, wo Europa gleichsam nach Asien zurückfließt, in Russland. Da ist die Kraft zu wollen seit langem zurückgelegt und aufgespeichert, da wartet der Wille – ungewiss, ob als Wille der Verneinung oder der Bejahung- in bedrohlicher Weise darauf, ausgelöst zu werden, um den Physikern von heute ihr Leibwohl abzuborgen. Es dürften nicht nur indische Kriege und Verwicklungen in Asien dazu nötig sein, damit Europa von seiner größten Gefahr entlastet werde, sondern innere Umstürze, die Zersprengung des Reiches in kleine Körper und vor allem die Einführung des parlamentarischen Blödsinns, hinzugerechnet die Verpflichtung für jedermann, zum Frühstück seine Zeitung zu lesen. Ich sage dies nicht als Wünschender: mir würde das Entgegengesetzte eher nach dem Herzen sei, - ich meine eine solche Zunahme der Bedrohlichkeit Russlands, dass Europa sich entschließen müsste, gleichermaßen bedrohlich zu werden, nämlich einen Willen zu bekommen, durch das Mittel einer neuen, über Europa herrschenden Kaste, einen langen furchtbaren eigenen Willen, der sich über Jahrtausende hin Ziele setzen könnte: - damit endlich die langgesponnene Komödie seiner Kleinstaaterei und ebenso seine dynamische wie demokratische Vielwollerei zu einem Abschluss käme. Die Zeit für kleine Politik ist vorbei: schon das nächste Jahrhundert bringt den Kampf um die Erd-Herrschaft, den Zwang zur großen Politik.“


...es geht nicht um das Erschaffen von Gegenbildern.
Meine Frage laute:"Wie kann Dichotomie aufgelöst werden?"

Kampf um das Steuer
von Otilia Gräfin Kraszewska

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coracora, Donnerstag, 20. März 2014, 17:55
Dichotomie muss ich erst googln....bevor ich mitreden kann. Das kann noch ein bisschen dauern, denn die Sonne scheint und lacht so schön und mein Garten ruft nach mir! Außer dem interessiert sich ja bei uns grad kein Schwein fürs Mitspracherecht in der Demokratie...wie auch wenn man sich zwischen langweiliger Verwaltung und dröger Rechthaberei entscheiden soll.
Wenn man also hier oder im Osten, die umschmeichelte Mehrheit fragt, kann der Schuß auch nach hinten losgehen....wie man sieht.

lalol, Donnerstag, 20. März 2014, 19:22
Schwarz-Weiß-Denken

coracora, Samstag, 22. März 2014, 09:48
wir waren ja schon immer für grau-buntes Denken

lalol, Freitag, 28. März 2014, 15:05
Wenn die Angst schwelt

Gib der Seele Stoff zum Zündeln
Gib ihr Angst
Gib ihr Zunder
Reiß die Brandschutzmauern nieder
Immer wieder
Immer wieder
Schmeiß die Scheite nach und schneller
Gib ihr Weltenschmerz
Und heller
Trenne nicht mehr Gut und Böse
Löse – löse
Löse
by lalol

coracora, Montag, 7. April 2014, 18:28
Lasse- lasse, lasse
es dauert dann und wann
kaugummizähe Verpflichtungen
dabei wollt ich doch die Lyrikblume gießen
und ein wenig die Schutzfrau spielen
um das komplentative Elementarteilchen
anzustoßen schupps schwupps

lalol, Freitag, 11. April 2014, 14:18
Dialog:
„Du hast so viel Angst. Du mischt deine Ängste durcheinander. Wie diese Angst vor einem weiteren Krieg. Ich verstehe dich nicht.“
„Ich verstehe es selbst nicht. Mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen, ich habe keinen festen Untergrund mehr, keinen Halt. Ich sauge Ängste auf und kann mich nicht mehr auf meine kleine schöne Welt konzentrieren. Es mag mir gerade nicht gelingen.
Und ja, dazu gehört auch die Angst vor einem Krieg. Als ich noch ein Kind war, gab es das böse Russland und die Amerikaner, die Guten. Sollte es zu einem Krieg zwischen diesen beiden Weltmächten kommen, würde er über Europa ausgetragen werden. Später konnte ich die Generation meiner Eltern nicht mehr verstehen. Wer hatte schon Angst vor Russland ? Als es sich in einen Vielvölkerstaat, sichtbar auf der Landkarte im Atlas spaltete, bedeutete es erst recht keine Bedrohung mehr für mich.
Ich kenne mich in Politik und deren Hintergründen zu wenig aus. Meine Sichtweise ist durch die Medien beeinflusst. Selbst wenn ich mich in einem anderen Land befände, Russland, Syrien, würde ich alles subjektiv sehen. Auch ohne Medien. Das Spinnennetz, welches die Fäden zusammenhält, bliebe mir unsichtbar.
So ist meine Denkweise eine rudimentäre. Ein Stückchen Erde, Rohstoffe, Machtbedürfnis, im Deckmäntelchen der Religion, sind für mich Kriegsauslöser.
Putin zeigt sich stark, wie ein Bär. Eine Stärke, die Europa fehlt.“
„Dein Putin, der mit nacktem Oberkörper zum Jagen geht, daran kannst du Politik doch nicht festmachen. Jetzt sag nur, du magst ihn.“
„Ich mag ihn nicht. Ich weiß schon, auf was du anspielst. Sehr wohl sehe ich den Unterschied, zwischen einem testosterondurchtänkten Bruce Willis auf der Leinwand und Putin. Aber ist es nicht interressant, dass ich diese Beiden in einem Satz bringe?“
„Und wie siehst du Europa?“
„Deutschland ist eines der drei kleinen Schweinchen.“
„Du gehst zu weit. Sieh mal, Russland, möchte seine Rohstoffe an Deutschland verkaufen, da werden sich wirtschaftliche Interessen durchsetzen, was hat Putin von einem Krieg mit Europa?“
„Du hast sicher recht. Was ist eigentlich mit dieser Pipeline durch die Ostsee? Weißt du, manchmal überlege ich welche Tiergestalt ich für Amerika hätte und immer wieder bleibe ich am Wolf im Schafspelz hängen.“

einemaria, Dienstag, 6. Mai 2014, 00:27
Angst ist der schlechteste Begleiter und Berater. Sind wir doch mal froh, dass wir nicht auf einem Eisstern in einem Asteroidengürtel als Bakterie leben, sondern ein ganz gemütliches Leben führen, ... aber doch eben ein Leben, das auch seine Kanten und Ecken haben kann.
Also wenn schon, dann doch lieber Weltkrieg im Sommer, sag ich immer. Wegen dem guten Licht, das lange brennt, so dass man bis spät abends draussen sitzen und noch alles sehen kann.

Nicht Wolf im Schafspelz, sondern Elefant und Esel ...

lalol, Dienstag, 22. Juli 2014, 21:24
Säße ich als Bakterium auf einem Eisstern in einem Asteroidengürtel, wäre mein Stoffwechsels höchstwahrscheinlich auf ein Minimum reduziert und ich wüsste weder von Angst noch vom Glück.
Für eine Bakterie absolut in Ordnung.