Sonntag, 29. April 2018
Lumpensammlerin
hebt fallen gelassene Worte auf.

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Dienstag, 6. März 2018
Die Stunde
Aus dem länglichen Karree des Parks werfen die alten Kastanien ihre kühlenden Schatten auf die andere Straßenseite.
Sie hat noch Zeit, dreht ihr Gesicht der Sonne entgegen, nimmt gierig die mit Vitamin D3 gefüllten, gleisenden Strahlen, über die leicht zusammengekniffenen Augen auf.
Atmet wohlig ein, wendet sich dem Klingelschild zu, blickt auf die Namen der Tafel, ohne sie zu lesen. Drückt den, ihr bekannten, Knopf und wartet auf das Geräusch des Türsummers.
Stemmt das Gewicht gegen die Haustür und tritt in den dunklen Flur.
Nimmt zwei Treppen auf einmal, hastet die Stufen nach oben. Sie mag dieses, Treppe nach oben hasten. Die Dynamik des Körpers fühlt sich lebendig und energiegeladen an.
Vor der Wohnungstür muss sie noch einmal klingeln, um eingelassen zu werden.
Im Warteraum zieht sie die Schuhe aus, setzt sich, in die Ecke des Sofas, zieht die Knie an, dass Beine und Füße auch auf dem Polster Platz haben.
Ein sich ausbreitender Geruch lässt sie schnuppern. Kurz blinkt das Bild eines kleinen, jungen Hundes auf. Pfeifentabak, streng, würzig, dringt er durch die geschlossene Tür.
Verkürzt sich das Warten, indem sie die Buchtitel, im Regal gegenüber studiert.
Dann öffnet sich besagte Tür, ihr Therapeut begrüßt sie und Beide gehen in einen weiteren Raum.
Zwei große, schwarze Ledersessel stehen sich gegenüber. Sie setzt sich in den Stuhl an der Tür, mit Blick zum Fenster, kann die grünen Kronen der Kastanienbäume aus dem kleinen Park sehen.
Sinkt weiter in den Sessel, wird verschluckt.
„Lass uns etwas ausprobieren. Ich möchte Deine Wut spüren. Ich gehe in den Vierfüßlerstand, meine Fußsohlen gegen die Wand. Du, auch im Vierfüßlerstand, mir gegenüber, damit ich Deine Schultern mit meinen Händen halten kann und dann versuchst Du, mir mit all Deiner Kraft konter zu geben. Wäre das für Dich okay?“
Die Vorstellung bereitet ihr Unbehagen, aber sie möchte sich nicht verschließen. Sie nimmt sein Angebot an.
„Wo ist Deine Kraft, Ich kann Deine Wut nicht spüren.“
Es ist Ihr nicht möglich, ihre Aggression gegen ihn zu richten. Sagt es ihm.
„Lass uns Deine Wut nehmen, Was möchtest Du mit Ihr machen?“
Sie nimmt Ihre tote Wut, legt sie in eine Ecke und deckt sie mit einem grauen Tuch zu.
Die Stunde ist zu Ende.
Was geschieht mit ihr? Ihre Beine tragen sie kaum, unsicheren Schritts verlässt sie die Wohnung. Muss sich am Treppengeländer einhalten. Die Grenze zwischen der Umwelt und ihr weicht auf, als wäre sie ein bunter Schatten in dieser Welt. Bewegt sich, wie ferngesteuert, durch einen Autopiloten, mechanisch.
Findet den Autoschlüssel, schließt auf, setzt sich, fährt los.
Ist auf der Zielgerade nach Hause.
Der Fuß auf dem Gaspedal wird schwerer. Als würde sie gegen einen starken Sturm ankämpfen, einer Gewalt, die es schafft, ihr Gesicht zerfließen zu lassen. Das Gesicht löst sich auf. Es verflüssigt sich. Sie sieht Topfen am Schädel vorbeiziehen. Sich dehnende, immer länger werdende Tropfen, aus grauer, flüssiger Haut.
Fährt rechts ran, bringt das Auto zum Stehen.
Ist fassungslos.
Sie hat ihr Gesicht verloren.

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Mittwoch, 14. Februar 2018
Zum Valentinstag
"Fremd ist der Fremde nur in der Fremde"
Karl Valentin

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