Montag, 23. Oktober 2017
fliehende Gedanken
Wort für Wort
fest in ein Päckchen verschnürrt
auf die Reise geschickt

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Samstag, 21. Oktober 2017
Sind wir doch mal ehrlich,
natürlich gestalte ich mich im Laufe des Lebens selbst.
Nehme mir Vorbilder, moralischer, gesellschaftlicher, äußerlicher Art.
Habe mich so recht und schlecht zusammengezimmert.
Manchmal mehr, manchmal weniger zufrieden mit mir.
Aber jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Den habe ich mir nicht herbeigewünscht.
Das ist die sogenannte biologische Uhr, die erbarmungslos tickt und mein Ich auf den Kopf stellt.
Mich zerreißt. Ich zerreiße!
Das Glück tritt zurück!
Und auseinandergefallen, wie ich bin, gilt es, mich wieder zusammenzusetzen.
Wer bin ich?
Wer will ich sein?

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Dienstag, 19. September 2017
50 grades of shay
Sie hastet die Stufen empor und erreicht die Wohnungstür.
Atemlos.
Er öffnet.
Sie drängt ihn in den Raum.
Er führt sie zum Sofa und weicht zur Seite.
Sie setzt sich.
Kniend zieht er ihr die Wildlederslipper von den seidigschwarzen Füßen und stellt sie parallel zueinander.
Dann richtet er sich auf um ihre kleinen Schuhe neben den seinen, in der Diele abzulegen.
„Wein?“
Sie hat sich auf ihre Hände gesetzt und blickt zum Tisch.
Dort stehen zwei langstielige Rotweingläser neben einer geöffneten Flasche.
Er nimmt die Weinflasche und dreht das Etikett in ihre Richtung.
„Amarone.“
Sie lächelt, sie mag diesen schweren Wein.
Er schenkt ein, reicht ihr ein Glas.
Und sagt:“Kiffen?“
Sie zieht das Bukett der tiefroten Traube durch ihre geblähten Nasenflügel.
Langsam, kontrolliert lässt sie den gehobenen Brustkorb bis unter den, sich nach innen ziehenden, Bauchnabel sinken.
Und denkt: „Ficken.“
Er zündet den Joint an, zieht daran, reicht ihn ihr.
Kopfschüttelnd lehnt sie ab. Sie ist schon high.
Er setzt sich an den Tisch und raucht.
Sie nippt an ihrem Glas, steht auf, stellt es an den Tischrand, greift ihren Stuhl und platziert diesen in der Mitte des Raums.
Dann verlässt sie das Zimmer, geht in die Diele und öffnet seinen Schrank.
Inspiziert das Ordnungssystem.
An der Kleiderstange ein paar Oberhemden, zwei Jacketts.
Sie schiebt ihre Hand tief zwischen die Kleidungsstücke und drückt den glatten Stoff auseinander.
Suchend gleiten die Finger von einem Hemd zum anderen.
Die Gewebestruktur kühlt ihre Fingerspitzen.
Als könnte sie sich am Jackett wärmen, hält sie einen Augenblick in der Bewegung inne.
Zieht das Revers zu sich, um den Hosenbügel einzusehen und zupft eine Krawatte vom Bügel.
Leicht frierend schließt sie die Schranktür und kehrt in den, mit Rauch gefüllten Raum zurück.
Er sitzt am Tisch.
Sie tritt zu ihm, nimmt einen samtigen Schluck aus ihrem Glas. Umspült von der weichen Flüssigkeit bettet ihre Zunge, in der geräumigen Höhle, sich sanft auf den Mundboden. Die Frau beugt sich über den Mann und flößt ihm das herbe Nass ein.
Er lässt es geschehen.
Bei ihrem letzten Abschied tröstet er sie mit einem unerfüllten Versprechen.
Eine Erwartung, die noch in der Luft steht.
Aber dieses Mal verführt sie ihn.
Ruhend legt sie ihre Hand zwischen seine Schulterblätter, spürt die ankommende Wärme.
Der aufwärts schiebende Druck ihrer Handfläche Richtung Halswirbelsäule, bedeutet ihm aufzustehen und begleitet ihn zum frei platzierten Stuhl.
Er setzt sich.
Mit seiner Krawatte verbindet sie seine Augen von hinten nach vorne, wieder nach hinten.
Sie besetzt ihn mit ihrer Vorstellung.
Sein letzter, blinder Widerstand:
„Lieber eine Stumme in der Hand, als eine Taube auf dem Dach.“

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