Mittwoch, 14. Februar 2018
Zum Valentinstag
"Fremd ist der Fremde nur in der Fremde"
Karl Valentin

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Sonntag, 4. Februar 2018
Rhythmus
Vor dem physischen Aufstehen, steige ich geistig aus meiner Schlafstätte und ziehe die Joggingsachen an.
Auch zwei- oder dreimal.
Gar nicht, wenn die bunte Nacht ihren Zauber verströmt, einlullend, die Fittiche ausbreitend, ein sicheres Plätzchen gewährend.
Wache auf, in einem kuschligen Nest aus Bett, bewege die Glieder kaum merklich, ganz sanft und zart, um durch die Berührung mit der Welt, meine Traumblase auszudehnen.
Der Wecker läutet, Körper steht auf, macht Tagesding.
Lege mich wieder hin, um die lebendige Erinnerung des Schlafes neu aufleben zu lassen.
Bis die Gedanken aufstehen und meine Joggingschuhe anziehen. Hach, guck dir das an, der Körper tut es ihnen nach.
Dann laufe ich, früh oder mittags, für mich ist es immer früh.
Und ich beobachte, federnder Schritt, schwerer Körper wird so leicht.
Schritt für Schritt, wie die Fußsohle die Erde verlässt und sie wieder berührt.
Der Atem sich in den Vordergrund drängt und dem Geist ein Zählen abverlangt. Kurzes Einströmen der kühlen Luft über die Nase, langes Ausatmen über den Mund, eins zu drei, vier, fünf. Ein,... eins, zwei…aus,... drei, vier, fünf...
Die Gedanken, ein Schwarm Kanarienvögel, werden aus den Ohren gepustet, frei gelassen in luftige Weiten.
Manchmal läutet der Wecker, der Körper steht auf, macht Tagesding, geht Arbeiten. Füllt sich mit Essen, bis über seine Grenzen, um schwer zu werden und Fuß zu halten mit dem irdischen Dasein.
Geht schlafen.
Kann den Rhythmus der Welt nicht halten.
Steht auf.

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Samstag, 3. Februar 2018
Burning Series
„Sag mal Mama, wozu legt man sich in die Badewanne, wenn man sich umbringen will?“
„Hmm…wenn man sich die Pulsadern aufschneidet, fließt das Blut in der warmen Badewanne besser?
In einer Serie hat der angehende Präsident sogar eine Tablette Aspirin mit dazugelegt. Wieso fragst du?“
„Die Serie mit dem netten Massenmörder, der bei der Polizei arbeitet? Die Papa und du abends immer gucken?“
„Nein, ich meine eine andere. Aber wieso willst du das mit der Badewanne wissen?“
„Ach, nur so. Wir sind doch jetzt mit “Gilmore Girls“ fertig und vielleicht habe ich eine neue Serie für uns.“
„Und wie heißt diese Serie?“
„13 Reasons Why“
„Um was geht es da?“
„Ein Mädchen, das 7 Kassetten aufgenommen hat, mit Gründen für ihren Selbstmord. Das gucken in meiner Klasse alle.“
„Gibt es eine Altersbeschränkung?“
„12.“
„Ja, gut, können wir anschauen.“

Einige Wochen später, die Familie sitzt beim Abendessen:

Mutter: “Zur Zeit gucken die Kleine und ich eine Serie, die ich recht heftig finde.“
12jährige Tochter: “Ach Mama!“
Vater: „Wie heißt denn euer Filmchen?“
Mutter: „“13 Reasons Why“, läuft auf “Netflix“.“
Große Tochter: „Was! Ihr guckt, “Tote Mädchen lügen nicht“. Da gibt es eine üble Vergewaltigungsszene. Ich hab` das Buch gelesen.“
Mutter: “Ja, die haben wir schon gesehen und ich fand es irritierend, dass im Vorspann dieser Folge eine Warnung angezeigt wurde, die sinngemäß lautete, einige Bilder könnten verstörende Auswirkungen haben.“
Vater: „ Meine liebe Frau, hast du mal „gegoogelt“, was es im Internet über diese Serie zu lesen gibt?
Hier steht, in Neuseeland dürften Jugendliche die Serie nicht ohne Anwesenheit eines Erwachsenen ansehen. Psychologen in den Vereinigten Staaten warnten Jugendliche und Erwachsene davor, sich die Serie anzusehen, da diese psychische Probleme hervorrufen oder gar verstärken könne. Auch wurde davor gewarnt, dass die Serie zu Trittbretttaten führen könnte. An mehreren kanadischen Schulen wurde die Fernsehserie verboten; in Neuseeland dürfen Minderjährige, nach einem Beschluss der nationalen Behörden, die Serie nur im Beisein eines Erziehungsberechtigten sehen.“

Mutter: „Nein, ich habe mich vorher nicht informiert. Das klingt nicht nach der passenden Serie für eine 12jährige.“
12jährige Tochter: “Jetzt regt euch nicht auf, ich habe das Ende eh schon gesehen.“

Die ganze Familie beschließt, sich die Serie bis zum Ende zusammen anzusehen.
Nach der letzten Folge:

,,Das war furchtbar, man hat alles gesehen. Mir stehen die Tränen in den Augen.“

12jährige: „Ah, Mama, jetzt heul` doch nicht schon wieder!“
Große Tochter: „Ich hab gleich gesagt, dass das heftig ist.“
Vater: „ Die Leiden des jungen Werther fallen mir dazu ein.“

Abends im Bett liegen beide Eltern auf den Rücken und starren, in der Dunkelheit, zur Decke.

Ein paar Wochen später:
„Mama, ich habe eine neue Serie für uns: “ Gossip Girl“.“

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