Reduzierte Soße – hausgemacht
Ich hasse Einkaufen in der Rushhour. Mit mäh..(= unser Kind in der Pubertät) und wäh..(= unser Kind in der Trotzphase) an der Seite ein wahrer Spießrutenlauf.
In deiner Kantine gibt’s heute nur Salatbar, also läuft das gute Frauchen nach ihrer Arbeit in den Supermarkt und besorgt einen Braten. Wird mein Zeitmanagement sprengen.
Apropos Arbeit: ein irrsinniges Kräftesaugen. Verantwortung tragen, ja klar, nur her damit –
da kann ich nicht nein sagen. Das Bild eines Lastesels steigt in mir auf.
Jetzt trag ich erst mal den Einkauf zum Auto, verschiffe die Kinder zu meinen Eltern, kümmere mich ums Abendessen.
Lass Handy, Handy sein. Sicher die Arbeit, wenn ich’s nicht ausmache, bedeutet das Dauerbereitschaft. Ohne mich geht’s halt nicht. Gute Kollegin – Schulterklopf – na, das alte System, hat mich fest im Griff.
Shit.. Zutaten für die Soße vergessen. So nehme ich, gezwungener Maßen, ein Päckchen aus dem schwedischen Einkaufhaus. Für knappe Zeiten gedacht.
Bin jetzt schon am Ende. Und heute Abend noch Tango. Muss sein, wir arbeiten an unserer Paardynamik.
Dein Schlüssel dreht sich im Schloss.
Du wirst den Mantel an deinen Haken hängen, die Schuhe wechseln, zum Kühlschrank gehen, ein Bier holen.
Ich kenn dich gut. Wir tauschen einen Blick, ohne Worte. Mein Einsatz: “ Hi mein Schatz, erst mal abschalten, eine rauchen, ich weiß.“ Gut eingespieltes Team.
Oh, oh.. du lässt deinen Blick durch die Küche schweifen. Er bleibt auf dem Braten im Schnellkochtopf hängen. Bitte, sag jetzt nichts...
Ich schlage einen Salto rückwärts. Spanne den weiten Bogen in die Vergangenheit. Unser erstes gemeinsames Abendessen. Selbstgemachte Nudeln. Du hast den Teig vorbereitet. Basilikum in der scharfen Tomatensoße. Ich mag Chili. Deine Soße, eine meditative Reise in die Welt der Sinne. Kulinarische Verführung auf höchstem Niveau. Mein Rotwein passt perfekt. Genuss pur. Ich erinnere mich, wie mir das Wort Backentaschenorgasmus aus dem Mund schlüpft und du mich neugierig, erstaunt ansiehst. Dieser Blick, meine Güte, ich war doch eh schon Hals über Kopf in dich verliebt.
Aber jetzt knallen Dimensionen aufeinander.
Ich sag noch:“ Marilyn Monroe wollte mal ein Hühnchen mit dem Föhn auftauen.“
„Und hat sie es geschafft?“ Ich hasse diesen süffisant, schneidenden Ton in deiner Stimme.
Natürlich musst du das Päckchen Bratensoße in die Hand nehmen, um es angewidert wegzulegen. „Ich hätt` wohl`n Hühnchen mitbringen soll`n. Mach das nächste Mal dein Handy an.“
Hantierst am Kochtopf rum. Murmelst,“ blöde Zeitmaschine.“
Hilfe(innerlicher Aufschrei)! Mein Aggregatzustand verändert sich. Die Augen lassen Funken sprühen. Rauch dringt aus meinen Ohren, die Mundhöhle bereitet sich vor, den in mir, rasend schnell wachsendem Drachen Platz zu machen, denn dieser reißt sich gerade von seiner Leine los und spuckt Feuer: “ Raus aus der Küche, das mit dem Kochtopf mach ich selbst!“
Den Rest der Geschichte kennen Sie.
Bleibt noch die Frage offen: Wie zart wurde das Fleisch? ;)

casalinga

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lalol, Montag, 29. Juli 2019, 11:47
ausgegraben,
den Rest der Geschichte gibt´s in den Memoiren
hartelinie

einemaria, Sonntag, 22. September 2019, 13:39
Ich mag Hühnchen nicht ...

lalol, Montag, 23. September 2019, 12:20
Sie sind emanzipiert,
bei Ihnen hätte es Nussschnaps gegeben.