Drei Russinnen
Es ist eine ruhige Nacht.
Wir sitzen in unserem Stationszimmer, am Schreibtisch, auf unseren Drehstühlen.
Ihre Finger, mit den prallen Fingerbeeren und den kurzgeschnittenen Nägeln, halten ein aktuelles Smartphone. Ein Geschenk ihrer Tochter.
In Russland hatte sie die Ausbildung zur Hebamme abgeschlossen.
Hier die Anerkennung nicht erhalten.
Jetzt arbeitet sie als Krankenpflegehelferin.
Der Dienstkittel verdeckt, mit seinen kurzen Ärmeln, nur einen Teil der alten Verbrühung an ihrem Oberarm.
Ein gebranntes Kind aus bitterarmen Verhältnissen.
Auf dem Bildschirm ihres Handys zeigt sich die Halbinsel Krim.
Tanja gerät ins Schwärmen, über das mediterrane Klima.
Orangen- und Zitronenbäume, Weinstöcke.
Ihr nächstes Urlaubsziel.


Olga:
„Mein Neffe aus Kiew hat geheiratet. Eine Ukrainerin.
Sie besuchten meinen Bruder in Luhansk.
Ihre Großmutter in Kiew ist krank da sie bei ihr aufgewachsen ist
Und eine enge Bindung besteht, wird sie wieder zurückfahren.
Mein Neffe wollte mit seiner Frau gehen, doch seine Eltern flehen ihn an, bei ihnen zu bleiben.
Würde er zurückgehen, muss er gegen seine Eltern in den Krieg ziehen.
Er ist bei seinen Eltern geblieben.
Seine Frau ist nach Kiew zurück.
Es zerreißt mich!“


Wie ein trauriges Gespenst huscht Irinas zarter Körper, in der dunklen Nacht, durch die Krankenzimmer der Klinik.
Die Geschehnisse zwischen Russland und der Ukraine halten ihren Geist im Bann.
Erinnerungen treiben nach oben.
Das Wohnzimmer der Großeltern.
Die Verfolgung der jüdischen Familie, festgehalten in Erzählungen, Briefen und Fotographien.
Die Angst vergangener Generationen hat sie eingeholt.

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coracora, Montag, 23. Januar 2023, 13:21
hm was tun sie da? Ich hoffe sie vertragen sich.